09.02.10

ZDF Reporter über Betrug durch Flirt-SMS

Es ist ein Geschäft mit der Einsamkeit: Wer auf die scheinbar persönliche SMS "Hallo Schatz, hast du gut geschlafen?" antwortet, ist gleich 1,99 Euro los. Hinter vermeintlichen Traumpartnern verbergen sich häufig professionelle Chatter, die nur eines wollen: ihren Opfern mit verlockenden SMS-Botschaften das Geld aus der Tasche ziehen. Dabei kann sich jeder vor den Tricks der SMS-Abzocker schützen.

Die Masche ist immer dieselbe: Ein Single meldet sich auf eine Anzeige im Internet oder in der Zeitung bei einem Flirtpartner. Beide kommunizieren per SMS. Im Fall von Patricia de Luca war der Traummann ein vermeintlicher Arzt, mit dem sie täglich Liebesgeflüster per Mobiltelefon austauschte. "Ich war wirklich verliebt", gesteht der Dauersingle. Das böse Erwachen kam erst mit der Handyrechnung: Für 2500 Euro hatte Patricia de Luca mit einem Profi-Chatter gesimst. Hinter "Dr. Hansen" steckte kein Arzt, noch nicht einmal ein Mann. ZDF.reporter deckte auf: Eine Frau entlockte de Luca die teuren Liebesantworten.

Die betrügerischen Flirtlines arbeiten alle nach dem gleichen Prinzip. Hinter den attraktiven Anzeigenfotos verbergen sich keine realen Personen, sondern Profi-Chatter. Ihr Job: die Kunden zu möglichst vielen SMS zu animieren. Und das geht relativ einfach: Sie stellen viele offenen Fragen, wie: "Wie siehst Du aus? Beschreib Dich doch mal", und fordern so immer wieder teure Antworten ein. Manchmal stecken sogar mehrere Chatter hinter einem vermeintlichen Flirtpartner, die sich unter einander absprechen, um mit immer neuen Fragen den Kontakt zu den Opfern zu halten.

Eine weitere Masche: Scheinbar freundschaftliche Spontan-SMS, die fast jeder schon mal so oder so ähnlich auf seinem Handy gefunden hat: "Hallo, hier ist Martina. Wir haben uns lang nicht mehr gesehen. Wie geht es Dir?" Wer hier antwortet, obwohl er sich eigentlich an keine Martina erinnern kann, ist schnell 1,99 Euro los.

Hinter diesen „Premium-SMS" verbergen sich teure fünfstellige Rufnummern. Eine SMS an eine solche Nummer kostet meist zwischen 1,99 und fünf Euro. Der Schaden kann groß werden: In Kiel stehen zurzeit drei mutmaßliche Betrüger vor Gericht. Sie sollen rund 700.000 ahnungslose Handy-Nutzer als Kunden eines SMS-Flirts gewonnen haben. Der dadurch entstandene Schaden soll sich auf etwa 46 Millionen Euro belaufen. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Tatvorwurf „Betrug" bestätigt:
Mittlerweile hat das Amtsgericht Flensburg in einem rechtskräftigen Urteil bestätigt, das Professionelle Flirt-SMS-Chats „Betrug" sind, da es letztlich nur darum geht, gutgläubige Kunden" zu Täuschen. Ob das Kieler Landgericht die Sache genauso sieht, ist noch abzuwarten.

Quelle: ZDF-Reporter - Wenn Liebe teuer wird: „Betrug durch Flirt-SMS"

Quelle: Youtube - AntiabzockTV

Inkasso für Clever-Download.net von Phantomkanzlei?

Auf eine besonders dreiste Abzockmasche wurde die Redaktion hingewiesen. Betroffene des Portals clever-download.net erhalten seit wenigen Tagen Rechnungen von einem bisher unbekannten Inkassodienst Herzog & Partner Co.. Laut Anschreiben sollen für die Firma Web Net AG Co. bestehende Forderung eingezogen werden.

heute erhalten Sie Ihre Rechnung für Ihre Anmeldung auf www.clever-download.net

vom XX.02.2010 im PDF-Format. Bitte überweisen Sie den Betrag in den nächsten Tagen auf unser Konto.


Ihre Herzog & Partner Co.
Kanzlei für Zahlungsmanagement*

http://www.herzog-partner.com

Zwar gibt es die Firma WEB NET AG CO. tatsächlich und sie ist im Handelsregister von Florida eingetragen, trotzdem stinkt da etwas ganz gewaltig. Die Domain herzog-partner.com wurde erst am 04.02.2010 registriert. Bei einer Suche nach der angeblichen Kanzlei für Zahlungsmanagement findet man zwar diverse Firmen, die offensichtlich aber allesamt nichts mit dieser Gaunerei zu tun haben. Anscheinend handelt es sich bei der Angabe von Herzog & Partner Co. um ein Phantomunternehmen. Man setzt wohl bewusst eine Verwechselung mit einer Anwaltskanlei aus Nürnberg, die einen ähnlichen Namen hat.

Dass hier jemand nicht erkannt werden möchte, zeigen auch die Domaindaten von clever-download.net und herzog-partner.com. Beide Domains wurden über den Anonymisierungsdienst GoDaddy registriert.

Quelle und weitere Infos: branchenbuchverzeichnis.info

Die beiden Webseiten clever-download.net und herzog-partner.com wurden nicht nur über den gleichen Dienst registriert, sondern liegen auch auf der selben IP-Adresse 97.74.215.60.

Verschickt werden die Rechnungen per Post aus der Schweiz. Bei den angegebenen Anschriftten in den PDF-Schreiben handelt es sich jeweils um einen Büroservice, bei dem auch ein Weiterleitungsdienst angeboten und betrieben wird.

Das trifft auch für die Adresse in Neuseeland des Directors Michael Leyden von der WEB NET AG CO. zu. Auch dort befindet sich wieder nur ein Weiterleitungsdienst:

24B MOOREFIELD RD.
WELLINGTON NEW ZEALAND X 6037

Quelle: Privatebox

Sind Sie betroffen? Haben Sie auch so eine Rechnung erhalten? Dann sollten Sie sich die Tipps der Verbraucherzentralen zu Herzen nehmen.

  • Zahlen Sie nicht!
  • Bleiben Sie stur!
  • Lassen Sie sich nicht von Inkasso- oder Anwaltsbriefen unter Druck setzen!

Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

PS: Auch die folgende, in den Schreiben enthaltene, Drohung ist Unsinn.

Sollte ein Dritter Ihren Namen, E-Mail-Adresse und/oder Anschrift missbraucht haben, so teilen Sie uns dies bitte mit, damit wir strafrechtliche Schritte einleiten und den Ermittlungsbehörden die vorliegenden Informationen (IP-Adresse usw.) weiterleiten können.

Das können Sie getrost ignorieren. Bevor so etwas in Frage kommt, wird wohl eher ein Fäustle aus dem Firmenbriefkasten kommen.

Fernsehtipp: Akte 20.10 am 09.02. um 22:20 Uhr

Themen der Sendung:

Mieter gegen Hausverwaltungen: Dieses Jahr übertreiben sie es mit den Nebenkosten.
Hilfe, die haben mein Konto leer geräumt: Was gegen Gewinnspiel-Abzocker wirklich hilft!
Vom Wunderarzt ums Geld gebracht! Wie junge Frauen Tausende Euro verlieren.
Unser schönes Auto - versteigert und weg! Familien in der Leihhaus-Klemme!

Quelle: Sat 1 - Akte 20.10

WISO berichtete über Adressbuchschwindel

Teure Branchenverzeichnisse:

Vorsicht vor Einträgen in nutzlosen Registern

500 Euro für einen Eintrag in ein nutzloses Register: Auf solche "Angebote" fallen im Moment so viele Kleinunternehmer herein wie noch nie. Der so genannte Adressbuchschwindel richtet in der Wirtschaft jedes Jahr einen Millionenschaden an. Die Hintermänner rechtlich zu verfolgen ist schwierig.

Michael K. führt eine Autowerkstatt im bayerischen Dillingen. Weil das Geschäft gut läuft, hat er sich überlegt, sein Unternehmen zu erweitern: Er schafft sich ein Wohnmobil an, um es zu vermieten. Der Werkstattbesitzer muss einiges an Papierkram erledigen, um seinen Eintrag im Handelsregister entsprechend anzupassen. Kurz darauf bekommt er Post von mehreren Adressbuchfirmen. Die Zentrale Register Verwaltung, die Gewerbe Zentrale Deutschland sowie die Industrie- und Gewerberegister-Zentrale wollen Geld dafür, dass sie die Werkstatt in ihre - offenbar nutzlosen - Branchenverzeichnisse aufnehmen.

Angebote, die Rechnungen gleichen

In WISO erzählt Michael K.: "Wir waren gerade im Urlaub, als die Schreiben kamen. Als wir wieder zuhause waren, haben wir die Post schneller als sonst durchgearbeitet und da sind sie mit durchgerutscht." Die Schreiben hätten eine professionelle Aufmachung gehabt, die Rechnungen sehr ähnlich seinen. Michael K. überwies dreimal rund 500 Euro. Vermutlich wurden die Adressbuchfirmen auf ihn aufmerksam, als seine Änderung im Handelsregister veröffentlicht wurde.

Der Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität geht gegen die Adressbuchschwindler vor, die überall in Deutschland massenweise solche Formulare verschicken. Es ist immer die gleiche Masche: Wer nicht genau hinschaut, kann solch ein Angebot, leicht für eine amtliche Rechnung halten. Peter Solf, der sich um den Adressbuchschwindel kümmert, erklärt: "Es gab im letzten Jahr 80 verschiedene Anbieter, das ist wesentlich mehr als in den Jahren zuvor." Solf geht davon aus, dass dadurch ein Schaden von mehreren Millionen entstanden ist.

Kunden fühlen sich betrogen

Auch Burkhard Sch., Besitzer einer Fahrschule in der Nähe von Lüneburg, hat Erfahrungen mit solchen Firmen gemacht. Er hat reihenweise Post von Adressbuchfirmen bekommen, nachdem er eine weitere Fahrschule übernommen hatte. Gleich fünf Absender wollten jeweils bis zu 600 Euro für Registereinträge. Burkhard Sch. zahlte knapp 2000 Euro. Die Einträge, die er dafür bekommen hat, sind für ihn völlig sinnlos: "Ich bin mit meiner Fahrschule im norddeutschen Raum tätig." In solchen Branchenverzeichnissen zu werben bringe ihm überhaupt nichts: "Da wäre eine Anzeige in der Lokalzeitung sinnvoller gewesen."

Die Fahrschule Sch. bekommt für die bezahlten Rechnungen unter anderem einen Eintrag auf der Internetseite www.branchenbuchauskunft.net. Auch die Autowerkstatt K. landet auf dieser Internetseite. Für Michael K. grenzt die Masche der Adressbuchfirmen an Betrug. Er will sein Geld zurück, doch das ist schwierig. Die Adressbuchfirmen reagieren kaum auf Briefe und ziehen immer wieder um.

Wer steckt hinter den Formularen?

Der Absender der Zentralen Register Verwaltung (ZRV) führt WISO nach Berlin, zu einer Topadresse in der Innenstadt. Die Deutsche Bureau AG, ein Büroservice, vermietet diese Anschrift an Firmenkunden. Diese bekommen auf diese Weise eine Geschäftsadresse, ohne dort wirklich Büroräume zu besitzen. Ein Interview lehnt das Unternehmen ab. Stattdessen erklärt die Deutsche Bureau AG gegenüber WISO schriftlich, die Zentrale Register Verwaltung sei Kunde ihres Hauses gewesen. Man habe mitbekommen, dass die Firma "rechtswidrigen Handlungen nachgehen könnte". Daraufhin habe die Deutsche Bureau AG der Zentralen Register Verwaltung gekündigt.

Eine weitere Spur führt nach Sulzheim in der Nähe von Worms - zum Hintermann der ZRV, Christian M. Sein Name steht auch am Briefkasten einer Adresse, die er für seine Firmen angibt. WISO sprach mit einem Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus. Dieser meinte, Christian M. würde dort überhaupt nicht wohnen und käme nur ab und zu vorbei. "Wenn er kommt, dann geht er nur an den Briefkasten, leert den schnell und ist dann wieder weg. Das geht noch nicht einmal zwei Minuten." Schriftlich erklärt Christian M.s Zentrale Register Verwaltung: "Unserem Angebot ist klar und deutlich zu entnehmen, dass es sich um eine kostenpflichtige Eintragung auf einem Internetportal handelt." Daher müsse man einer "Rückerstattung des uns überwiesenen Betrages leider eine Absage erteilen."

Rechtsprechung uneinheitlich

Anwalt Bodo Schick kämpft seit Jahren gegen die Adressbuchschwindler. Er bemängelt, dass es bisher noch keine einheitliche Rechtsprechung vor Gericht gebe. In WISO sagt er: "Die Erfolgsaussichten liegen bei 50 Prozent. Es gibt einige Richter, die eine Gesamtwürdigung der Umstände machen und sagen, das sei Betrug." Aber es gebe andere Richter, die sagten, Vertrag sei Vertrag und der müsse eingehalten werden. "Genau darauf berufen sich diese Schwindler."

Werkstattbesitzer Michael K. hat sich gewehrt und einen Anwalt eingeschaltet. Zum Teil mit Erfolg: Von zwei Firmen hat er das Geld mittlerweile wieder zurückbekommen. Gegen die Zentrale Register Verwaltung zieht er jetzt vor Gericht.

Quelle: ZDF - WISO

Das Video des Beitrags: ZDF-WISO - dubiose Branchenbücher

Warnung: Betrug im Namen der ARD

Die ARD warnt vor Betrügern, die telefonisch im Namen der Senderanstalt Gewinne versprechen und Bankdaten anfordern. In den vergangenen Wochen haben sich bundesweit die Fälle gehäuft.

Die ARD stellt klar, dass diese Anrufe nicht in ihrem Auftrag getätigt werden, sondern offensichtlich einen betrügerischen Hintergrund haben. Sie hat deshalb die Kriminalpolizei eingeschaltet und bittet Betroffene, sich an eine Polizeidienststelle in ihrer Nähe zu wenden.

Den Angerufenen wurde zumeist ein Gewinn in Höhe von 330 Euro im Zusammenhang mit einer angeblichen ARD-Jubiläumsshow in Aussicht gestellt. Weiterhin wurde nach Geburtstag und Kontodaten gefragt.

Quelle: ARD - Tagesschau