09.09.10

Für zwei Jahre Click-&-pay nur 7,99 Euro als Nebenverdienst

Reklame-E-Mails empfangen, Youtube-Filme sehen oder Bettel-Links verschicken - für all das wollen Firmen bezahlen. Doch die Verbraucherzentrale NRW warnt: Wer sich bei so genannten "Paid4"-Diensten im Internet anmeldet, muss oft sensible Daten preisgeben und eine Menge Werbung ertragen - und das für meist wenige Cent.

"Paid4" heißt die Nebenverdienst-Szene, die sich "Päid for" ausspricht und übersetzt "bezahlt für" bedeutet. Zu der Szene zählen Surfer, die sich für ihre Aktivitäten im Netz bezahlen lassen – etwa, indem sie Internetseiten anklicken oder Werbebanner anschauen.

Doch bevor der Rubel rollt, ist stets eine Anmeldung bei den Betreibern der Dienste erforderlich. Und die machen oft erst mal selbst gute Nebengeschäfte: mit den Daten der Kunden. So sichern sich einige Internetportale bei der Anmeldung beispielsweise das Recht, Daten wie Name, Geburtsdatum, Handynummer und Hobbies für "Wettbewerbe, Werbe-SMS und andere Marketing Aktionen" weiterzugeben oder "an zahlende Werbekunden" zu verkaufen.

Ein Klassiker der Web-Arbeit ist die Paidmail: eine E-Mail mit Werbung. Wenn der Empfänger die Reklame anklickt und eine Mindestzeit (ca. 20 Sekunden) auf der sich öffnenden Seite bleibt, dazu noch einige Fragen zum Spot beantwortet, erhält er vom Versender der E-Mail, dem so genannten Paidmailer, wenige Cent von dessen Werbeeinnahmen. Doch bis das Geld auf dem Konto landet, können viele Monate vergehen.

So zahlt Branchenprimus "earnstar.de" Guthaben erst ab einer Grenze von 20 Euro aus. Um das zu erreichen, müssen viele Mitarbeiter etwa anderthalb Jahre lang Werbung geklickt haben. Bei Konkurrent "clubmail.de" kann es beispielsweise 7,99 Euro geben: nach zwei Jahren für rund 200 angeklickte Werbebanner. Doch Obacht: Clubmail versendet auch so genannte Minusmails. Wer die öffnet, verliert automatisch "eine bestimmte Punktzahl" von seinem Konto.

Ähnlich wie die Paidmail funktioniert "7sms.com". Die Firma verschickt nach der Internet-Anmeldung die Reklame per SMS auf die Handys der Mitarbeiter. Selbst Zwölf-Jährige nimmt "7sms.com" unter Vertrag. Bis zu sieben SMS am Tag sollen es sein, für jede bekommt der Empfänger fünf Cent.

Nutzer beschweren sich allerdings immer wieder, dass nach Angaben diverser Daten und Hobbies kein oder nur selten mal der SMS-Klingelton erklingt. Dazu passt, dass die Firma telefonisch nicht erreichbar ist und bei den "Häufig gestellten Fragen" der Stoßseufzer zu finden ist: "Warum erhalte ich auf meine Mailanfrage keine Antwort?"

Nicht nur das Empfangen, sondern auch das Senden von E-Mails soll Geld bringen: Zwei Cents bezahlt etwa "mysc.de" für das Schreiben einer E-Mail, allerdings nur, wenn zwischen einzelnen E-Mails fünf Minuten liegen. Wer das acht Stunden lang durchhält und alle fünf Minuten digitale Post verschickt, kommt so auf den sagenhaften Lohn von 1,92 Euro.

Von ähnlichem Kaliber ist "Tixuma.de". Das Portal bietet Geld dafür, dass man das Internet über seine Seite durchsucht und dabei tapfer diverse Werbebanner erduldet.

Auf das Anschauen und Kommentieren von Videos wiederum hat sich "Paid2Youtube.com" spezialisiert. Einen halben Dollarcent verspricht die Firma pro Video, zehn Cents pro Kommentar. Für zehn Euro im Monat müsste man rund 2800 Videos samt Werbung ertragen – also fast 100 am Tag.

Virtuelles Betteln ist das Geschäftsfeld von Anbietern wie "adsure.de". Sie schicken ihren Werktätigen so genannte "Bettel-Links". Wer die in seinem Bekanntenkreis verteilt, soll immer dann Geld erhalten, wenn die angebettelten Freunde auf den Link klicken. Für 1000 Aufrufe gibt´s - die Entlohnung schwankt - meist weit unter 10 Cents. Um 100 Euro zu verdienen, braucht es mithin utopische rund eine Million erbettelte Klicks.

Wem das zu anstrengend ist, kann sich auch für das Ansehen seiner Browser-Startseite bezahlen lassen. Rund 0,2 Cent für eine Startseite mit Werbe-Bannern bieten verschiedene Anbieter zurzeit. Wer dreimal am Tag ins Internet geht, kann so locker über 2 Euro verdienen – im Jahr.

All das lohnt sich natürlich nicht. Dass dennoch immer wieder Leute ihr Nebenverdienst-Glück im Internet suchen, liegt am "Referral-System". Auf Deutsch bedeutet "referral" so viel wie "Empfehlung" und genau so funktioniert es: Benutzer A ist bei einem Anbieter angemeldet und wirbt Benutzer B. Meldet sich Benutzer B an, verdient Benutzer A an jeder Werbemail für Benutzer B mit. "Ihre Verdienstmöglichkeiten sind theoretisch grenzenlos", lockt beispielsweise "7sms.com".

Praktisch jedoch handelt es um Schneeball-artige Systeme, die nach Erfahrung der Verbraucherzentrale NRW stets nach kurzer Zeit zusammenbrechen. Oder wie ein langjähriger Mitarbeiter im Internet bekennt: "Jeder, der sich in der Paid4-Szene auskennt, weiß, dass es in keiner anderen Branche so viele unseriöse und nicht professionelle Anbieter gibt."

Quelle Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen